Kleingarten-Jetzt

Der Frühling kommt, wenn der Parkplatz sich wieder füllt. Wenn die quietschenden, beladenen Schubkarren über Kieswege rumpeln. Wenn man über den Zaun hinweg mit der Nachbarin fachsimpelt, ob man jenes Kraut jetzt schon sähen und jenen Baum jetzt erst beschneiden sollte. Wenn das erste Blümlein sich aus einem noch halbgefrorenen Schnee-Erde-Gemisch hinauskämpft und man zu Tränen gerührt davorsteht.

Wenn Laubenbretter behämmert und Tontöpfe verrückt werden.

Wenn Wühlmäuse durchdrehen und Maulwürfe sich verwerfen.

Wenn sich tiefe Gräben auftun an Stellen, die es im letzten Jahr noch gar nicht gab. Die Stellen.

Wenn Meisen frohlocken und Kirschbaumknospen sich noch im Ast verheimlichen.

Wenn der Wahnsinn des Bundeskleingartengesetzes frisch ausgedruckt an der Pinwand hängt.

Wenn eine irre Freude entsteht, ein zwischendurch bipolares Treiben, nach einem Startschuss, den nur Gartenfreunde hören können.

Quatschen und schnarchen, lesen und liegen, hacken und harken, rupfen und schneiden, ungeduldig und immernochmüde, erster Muskelkater und –wannistdennendlichSommer…

Wenn die Nachbarstöle kackendreist ihr Beinchen an der maroden Gartenpforte hebt und man vor lauter guter Laune mit dem Schimpfen zögert.

Da merkt man: Aha, der Frühling kommt. Wie wunderbar!

Aber jetzt ist noch Ruhe.

Auch schön.

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©lingufaktur

 

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4 Kommentare zu „Kleingarten-Jetzt

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