Be-Herzigen statt Er-Mutigen

Mut kann man nicht machen. Ich denke, man kann höchstens dazu beitragen, dass sich Mut als Element eines Prozesses entwickeln darf, indem man (s)einen individuellen Weg bestärkt, begleitet, beachtet, wertschätzt. Mut entsteht im Tun, meine ich. Nicht im „Sich-Vornehmen“. Mut ist dynamisch und braucht Vorbereitung, selbst wenn er sich noch so spontan äußert.

Vieles lässt sich erst im Nachhinein als „mutig“ bezeichnen. Eine Entscheidung, eine Veränderung. Ein Wagnis. Eine neue Richtung. Oder das Durchhalten eines aussichtslosen, zermürbenden Lebens-Prozesses. Aber ich erlebe „Mut“ nicht als Gefühlszustand. Ich kenne das aufgeregte oder ängstliche Herzklopfen. Die Unsicherheit, den trockenen Mund. Ich kenne die nagenden Selbstzweifel und die Sorge vor dem Scheitern. Und manchmal fühle ich, dass ich etwas Besonderes mache. Indem ich auf eine ungewohnte Art denke oder agiere. Dabei kann sich große Erschöpfung ergeben. Und später dann, früher oder später, eine Sekunde danach oder auch erst nach Monaten oder Jahren, da erscheint mir die Benennung des Mutes. Von außenstehenden Menschen oder mir selbst. Ich schaue auf das, was war und erkenne den Mut darin. Dazu brauche ich eine gewisse Distanz zum Geschehen.

Wenn ich mich selbst oder jemand anderen unterstützen möchte, ein Wagnis einzugehen- wie auch immer es aussehen mag, welche Dimension es auch immer haben mag- zeige ich Respekt und Achtung vor dem Versuch. Ich signalisiere, dass ich sehen kann, was passiert. Und wenn ich spüre, dass ich der dahinterliegenden Kraft vertraue, sage ich, dass ich an einen Erfolg glaube. Frage, wie ich begleiten kann. Menschen können „mutig“ werden, wenn sie ein sicheres, verlässliches Umfeld haben, von dem sie gehalten werden, falls Versuche scheitern. Mut braucht eine gute Basis.

Ich spüre meine Kehle und meinen Rücken, manchmal auch meine Füße, wenn ich ein Wagnis eingehe. In einer klaren, festen Stimme und ehrlichen Worten, einer aufrechten, sicheren Haltung und einem stabilen Stand, darin zeigt sich mein Mut. Er lässt mich auch in unbekannter, fremder Umgebung freundlich lächeln und Menschen in die Augen schauen, die ich nicht kenne. Er lässt mich auf meine innere Stärke vertrauen, die unverwüstlich ist, auch wenn mich mein Leben durchrüttelt. Wenn ich mich ganz verzagt fühle, hilft mir mein Herz. Ich lege meine Hände auf die Brust und fühle es schlagen. Unaufhörlich. Regelmäßig und verlässlich genug, um mich im Sein zu halten. Es pulsiert und befähigt mich, dem Lauf der Dinge zu vertrauen. Dort wohnt meine Motivation, weiterzugehen.

Mut-Machen. Er-Mutigen. Ich möchte es doch lieber Be-Herzigen nennen. Man braucht keine lauten oder belehrenden Sprüche, um Menschen mit ihrer inneren Weisheit in Verbindung zu bringen. Ich glaube an die bewegende, heilsame Wirkung von liebevoller, respektvoller Aufmerksamkeit und Achtung. Ich wertschätze Begegnungen von Herz zu Herz. Miteinander auf das zu schauen, was gehen kann, erweitert zu enge Blickwinkel. Zusammen zu überlegen, wohin der Weg führen könnte, macht probierende Schritte leichter. Und gemeinsam zu erspüren, was sich gut anfühlt, verankert das Selbstverständnis, auf das zu hören, was der Bauch zum Leben sagt.

Zerstörerisches wird nicht am gleichen Ort geboren, wie Mutiges.

Mut ist immer mit Herz verbunden.

Mut ist menschenfreundlich.

Mut ist Losgehen(können) und An(ge)kommen(sein) in einer Person.

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