Gedicht für Opti- und Pessimisten: Frau Schmidt

Seit einiger Zeit probierte Frau Schmidt

auf jede erdenkliche Art Suizid:

Erhängen, ertrinken, vergiften und springen-

nichts davon konnte ihr gut gelingen.

Den Strick wollt´ sie knüpfen mit eigener Hand,

aber nutzte dafür viel zu mickriges Band.

Beim Versuch, sich zu hängen, war´s schnell gerissen,

der Aufprall am Boden war einfach beschissen.

Sie vertagte den Galgen auf ein anderes Mal,

der Versuch zu ertrinken wurde Mittel der Wahl.

Sie stieg in die Wanne, das Wasser war kalt,

und verlor dann beim Abtauchen jeglichen Halt.

Vom Halswirbel wurd´diesmal ihr Schicksal gelenkt:

Er wurde beim Wegrutschen heftig verrenkt.

Eine Halskrause war schließlich das doofe Ergebnis,

von diesem so peinlichen Unterwassererlebnis.

Frau Schmidt war frustriert und dachte daran,

wie sterben ganz sicher gelingen kann.

Sie griff zur Chemie und nahm Tabletten,

doch auch hier würde ihr was das Leben retten.

Sie hatte diverse Pillen geschluckt

und alle dann würgend ins Klo gespuckt.

Es war die Milch, währenddessen getrunken,

die hatte schon etwas sauer gestunken.

Frau Schmidt dachte schließlich: “Das kann doch nicht sein-

hier kriegt mich am Ende die Technik klein?!

Ich versuch´s auf den Schienen, das wird ja wohl geh´n,

kein Mensch kann so einen Crash übersteh´n!”

Sie legte sich schließlich in tiefschwarzer Nacht

auf die Gleise und wartete, dass es ordentlich kracht.

Der Zug jedoch kam einfach nicht an,

Frau Schmidt grübelte, wie das sein kann?

Am Morgen war´s dann in der Zeitung zu lesen:

Ein Selbstmörder vor ihr war schneller gewesen.

Die Strecke gesperrt, der Zug ausgefallen-

Frau Schmidt ließ den Kopf auf die Tischplatte knallen.

Einen letzten Versuch, den wollte sie wagen,

das Scheitern beim Sterben war ja nicht zu ertragen.

Sie suchte ein Hochhaus – die 10. Etage –

und hoffte auf keine erneute Blamage.

Dann stand sie am Fenster und starrte hinaus,

die Höhe war ihr ein furchtbarer Graus.

Aber scheitern- das wollte sie wirklich nicht mehr.

Ein erfolgreicher Suizid musste her!

Doch was zeigte das Schicksal ihr diesmal konkret:

Es nützt nichts, wenn man den Fenstergriff dreht!

Hier war alles auch noch x-fach verschraubt-

Frau Schmidt hatte erfolglos an den Absprung geglaubt.

“Jetzt ist wohl wirklich der Zeitpunkt gekommen,”

dachte Frau Schmidt schlussendlich beklommen

“dass ich kapiere und endlich versteh:

Es ist nicht genehmigt, dass ich jetzt so geh!

Ich mach erst mal Pause mit all dem Gemorde,

ich glaub, mich beschützt eine Schutzengelhorde!

Ich hab keine Chance- sie sind schlauer als ich.

Sie zeigen mir täglich:

Gestorben wird nich´!”

(An dieser Stelle im Erzählverlauf

hören die Optimisten bitte zu lesen auf-

die Pessimisten bekommen ihr eigenes Ende-

es gibt für Frau Schmidt eine tragische Wende:)

In dieser Nacht, als Frau Schmidt sich besann,

rauschte in ihr ein Schlag heran.

Der Tod erfasste sie schließlich im Schlaf,

als die Schutzengelhorde zum Plausch sich traf.

Überrascht hat Frau Schmidt beim Sterben geblickt:

“Du wirst auch zum Schluss noch vom Leben gefickt!”

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