Status quo

Ich trete vor die Tür und will eigentlich direkt wieder zurück ins Haus.

Meine Straße, die ja gar nicht mir gehört, welche ich aber trotzdem mir zu Eigen gemacht habe, damit ich mich zuhause fühlen kann-

Meine Straße, die ich mehrfach am Tag sehe, beschreite, beobachte, bewinke und analysiere, mit all ihren Bewohnern, Häusern, Autos und Vögeln-

Meine Straße, mein Fahrrad, mein Block, all die kleinen und großen Nervigkeiten und Schönheiten, der vertraute Müll, die erwachende Natur, die sich erleichternden Hunde, die spielenden Kinder, die zerfetzten Zeitungspapiere-

Meine Straße, wo ich am Rand Gänseblümchen pflanzten, deren Asphalt immer anders klingt, die nach einem milden Regen überraschend waldig riecht, die erzählt und rumpelt und bei Schnee so schön schweigt-

Meine Straße, mein Ausblick, meine lächerlichen Kleinkriminellen, die neuerdings so viele Pickel haben, mein Rhythmus, mein Alltag, meine lebendige Beständigkeit-

Meine Straße ist belagert.

Ich schaue auf eine Armee von Polizisten und Kastenwagen, sehe kugelsichere Westen, höre kläffende Hunde und denke an Krieg. In einer Reihe haben sich die Gepanzerten positioniert, strahlen ein steinhartes „Nein“ aus, lachen nicht, reden nicht, starren nur-

Irgendwer hat auf eine Pause-Taste gedrückt. Der Rhythmus der Straße hält den Atem an. Alles ist anders.

Ich verschiebe meinen Ausgang vorerst, schaue aus dem Fenster und warte, bis meine Straße wieder meine Straße wird.

 

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