Anna M.

„Ich habe dieses Buch gelesen. Über Chaos und Unordnung. Ich liebe Chaos!!“, sagt sie breit grinsend und schiebt sich eine wildwüchsige Strähne aus dem Gesicht.  Ein Schweißtropfen gleitet an ihrer Schläfe herab, über die Wange und verfängt sich irgendwo im Dunkeln. Ihr Dekolleté glitzert, es ist schummerig im Raum, ich starre sie an und bin begeistert.

Sie hat zwei Stunden unfassbar wahnsinnigtoll gesungen und ebenso geredet, zwei Liter Wasser getrunken und nicht nur den spießigen Raum mit ihrer Wucht zerlegt, sondern auch meine starren Gedankenkonstrukte. Als die Zugaben endeten, war ich gerade geöffnet für „MEHR“. Du willst Chaos? Okay, dann zeig mir alles davon.

Es gibt Menschen, die sich unbemerkt an meinen inneren Wänden vorbeschleichen. Die plötzlich direkt vor meiner geistigen Tür stehen, unaufgehalten von Zaun, Bewegungsmelder, Klingelknopf, Alarmanlage oder Wachhund. Die einfach breit grinsend mitten in meinen Augen stehen und meine Seele berühren und präsent sind und Kontakt haben mit dem in mir, was eigentlich zuerst mal sagen will: „Äh… Moment!“

Wie wunderbar! Dass das gehen kann. Dass ich überrascht werde. Dass das Chaos mich erreicht und greift und mitnimmt. Ich will mich gar nicht wehren, im Grunde. Ich will mehr davon.

Als sie sich einen Besen packt, um damit fotografiert zu werden, wird diese Hexennacht die beste, seit langem.

A.M.
©lingufaktur

 

 

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