Übellaunig gefahren

Ich stehe mit meinem Fahrrad an einer Ampel. Beziehungsweise: Ich sitze auf meinem Fahrrad an einer roten Ampel. Ein Bein steht am Boden, damit ich nicht umkippe. Logisch.

Mir gegenüber (es ist nur eine schmale Straße, die es zu überqueren gilt) wartet ein Opa mit seinem Enkelkind. Dass es der Opa ist weiß ich, weil das Kind ihn mit „Opa“ anspricht. Logisch. Beide stehen neben ihren Fahrrädern. Und warten auf „Grün“. So wie ich. Aber ich sitze auf meinem Fahrrad, wie bereits erwähnt.

Der Opa sagt: „Bei Grün schieben wir die Räder über die Straße! Nicht fahren, hörst du?“ Das Enkelkind nickt gewissenhaft. Ich habe irgendwie das Gefühl, es starrt mich an. Und der Opa auch. Ich habe weder vor, mein Fahrrad über die Straße zu schieben, noch schuldbewusst abzusteigen. Was gehen mich die Regeln anderer Leute an? Oder steht irgendwo in der Straßenverkehrsordnung geschrieben, dass man nur über die Straße schieben, aber nicht fahren darf?

Aber irgendwie ist das doch auch asozial von mir. Das Kind ist noch jung. Der Opa will ja nur etwas Gutes, nämlich, dass der Enkel lernt, ganz vorsichtig zu sein und sicher durch´s Leben zu kommen. Da hat man als Erwachsener eben auch Vorbildfunktion. Aber was geht´s mich an? Reicht doch, wenn Opa die pädagogische Führung übernimmt. Wenn alle mal schön in ihrem eigenen genetischen Nahbereich rumhantieren!

Die rote Phase dauert nervig lange. Dabei kommt gar kein Auto. Ich habe den Impuls, einfach schnell rüberzusausen, wegen Hunger, Pipi, müde. Ich will nach Hause. Es ist zu warm, zu hell, zu laut, Menschen bringen mich auf die Palme, einfach weil sie in mein Blickfeld eindringen und ich habe Lust, gnadenlos zu allen Kacke zu sein, die mir begegnen. Fuck off, people.

Die Ampel verändert sich.

Ich fahre mit einem unsichtbaren ausgestreckten Mittelfinger bei Grün an der schiebenden, sich freundlich anlächelnden und mich ignorierenden Verwandtschaft vorbei und möchte brüllen, dass nicht alle Erwachsenen die gleichen Regeln befolgen und dass Großväter keine universelle Autorität besitzen. Ich Rebellin, ich.

An der nächsten Ampel fühle ich mich noch mieser, als an der vorherigen.

Es macht einen eben nicht zufriedener, unfreundlich zu sein, wenn einem unfreundlich zu Mute ist.

 

 

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2 Kommentare zu „Übellaunig gefahren

  1. Das kennen wir. Manchmal gehen uns diese über korrekten „Gutmenschen“ auch auf den Nerv. Weil sie immer genau das schlechte Gewissen anpieksen! Grrrmpf 😦 Das nächste Mal wieder heimlich (trotzdem vorsichtig) bei Rot drüber und dann das Triumphgefühl auskosten!

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