ich ergebe mich. nicht.

Beim Komposter treffe ich meine Gartennachbarin Tina. Sie steht auf der anderen Seite des niedrigen Holzzauns und schnippelt eifrig Strauchschnitt klein. Wir lächeln uns zur Begrüßung an.

„Na?“

„Na! Wie geht´s so?“

„Ganz gut. Heute wurde die Wasseruhr abgelesen und ich war endlich mal rechtzeitig da, um die Gartenpforte aufzuschließen.“

„Vorbildlich, Tina, sehr vorbildlich!“

Ich strecke zur Betonung meines Komplimentes den Daumen in die Höhe. Tina grinst breit.

In meiner linken Hand halte ich den jämmerlichen, schleimigen Rest einer schneckenzerfressenen Zucchini.

„Und, was machst du so?“, fragt Tina fröhlich.

Ich halte ihr schweigend den grünen Gemüsematsch entgegen.

Sie schaut betroffen. Kurz zumindest.

„Etwa aus dem Hochbeet?“

Ich fahre ein wenig aus der Haut: „Nein, natürlich nicht! Sonst würde meine Zucchini doch jetzt ein bisschen anders aussehen, oder was meinst du??“

Tina nickt still und unterdrückt ein Grinsen.

Ich werfe den Beweis meiner Unterlegenheit gegenüber den Mollusken resigniert auf den Komposthaufen. Ich hätte den Schnecken natürlich auch noch diesen Rest zum Mittagessen lassen können, aber es geht ja wohl auch um´s Prinzip! Man muss sich seine Macht doch zurückerobern, oder nicht?!

Eine kleine Gedenkminute verstreicht.

Dann sage ich: „Nächstes Jahr kommen die Zucchinis wieder ins Hochbeet. Es war nur ein Versuch, sie unten zu säen.“

Tina lächelt milde und schließt kurz die Augen. Dann macht sie ein freundliches „Hmhm“ und nickt.

„Jaaaa, ein Versuch. Ein dummer, naiver Versuch. Ich ergebe mich der Hoheit der schleimigen Gefräßigkeit und esse dann heute eben keine überbackene Zucchini. Glücklicherweise wurden mir ja noch Kartoffeln und Bohnenkraut übriggelassen, außerdem in einer Geste unbeschreiblicher Großzügigkeit ein Haufen Giersch und Brennesseln.“

„Klingt gesund!“, murmelt Tina und wirft die letzten Blätter ihres Strauchschnitts auf ihren Komposthaufen.

Mich juckt´s.

In den letzten paar Gesprächsminuten wurden mir sieben neue Mückenstiche zuteil.

Ich schiele auf die zwei Regentonnen. Die ohne Deckel.

Ich weiß.

Ich weiß es ganz genau.

Ich schließe die Augen.

Im Garten lernt man echt immer wieder dazu. Ob man will, oder nicht.

Advertisements

2 Kommentare zu „ich ergebe mich. nicht.

  1. wo gärtnerst du denn eigentlich?
    meine Zucchini stehen nicht im Hochbeet (hatte ich im April kurz erwogen, hätte dafür aber noch mehr Hochbeete bauen müssen, aus Zeitgründen verschoben). Ganz zu Beginn gabs einige Ärgernisse durch die Glibschis, aber seit alle Pflanzen größer geworden sind, ist die Verlustrate gering. (kuckstu: http://die-beste-juppi.blogspot.com/2017/06/mutig-am-beetrand.html)
    Ich helfe natürlich auch nach. Schneckenkorn, Moosmulch, und der Appell an den Höchsten, er möge seinen Schnecken ausrichten, dass sie um meinen Garten drumrum kriechen sollten … die Kombi hat bis jetzt gut geklappt.
    Wer Ohren hat zu hören, der höre!
    Und Schnecken haben ganz sicher Ohren. Man sieht sie nicht, aber Thermik sieht man auch nicht und trotzdem ist sie da. (um nur ein Beispiel zu nennen!)

    1. ich mag hier nicht veröffentlichen, wo ich gärtnere 😉 Deine Schneckenabwehr-Kombination scheint überdenkenswert zu sein- wobei ich Schneckenkorn bereits von meiner Liste streichen würde, ebenso den Appell „nach oben“. Allerdings kann ich ja noch mal in Zwiesprache gehen mit allen Elfen, Wichteln und Mukklas, die meinen Garten bevölkern. Vielleicht lässt sich da was machen. 😉

Rückmeldung? Gern!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s